Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie gehört zu den wissenschaftlich am besten untersuchten psychotherapeutischen Verfahren. Ihr Ausgangspunkt ist die Annahme, dass unser psychisches Erleben nicht allein durch äußere Ereignisse bestimmt wird. Entscheidend ist auch, wie wir Situationen wahrnehmen, bewerten und auf sie reagieren. Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen und Verhalten beeinflussen sich dabei gegenseitig. So können sich im Laufe des Lebens Muster entwickeln, die ursprünglich verständlich oder sogar hilfreich waren, unter veränderten Bedingungen jedoch zunehmend zu Belastungen führen. Psychotherapie bedeutet deshalb nicht nur, Symptome zu reduzieren. Gemeinsam versuchen wir zu verstehen, wie Schwierigkeiten entstanden sind, wodurch sie heute aufrechterhalten werden und an welchen Stellen Veränderung möglich ist.
Die klassische Verhaltenstherapie entwickelte sich zunächst auf Grundlage psychologischer Lernforschung. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass viele Verhaltensweisen durch Erfahrungen erlernt werden und sich unter bestimmten Bedingungen auch wieder verändern lassen. Mit der sogenannten kognitiven Wende wurde dieses Verständnis erweitert. Psychologen und Psychotherapeuten wie Aaron T. Beck und Albert Ellis zeigten, dass auch unsere Gedanken, Bewertungen, Erwartungen und grundlegenden Überzeugungen entscheidend dafür sind, wie wir Situationen erleben. Aus dieser Verbindung entstand die heutige kognitive Verhaltenstherapie.
Ein wichtiger Bestandteil der Verhaltenstherapie ist zunächst das gemeinsame Verständnis der eigenen Schwierigkeiten. Dafür betrachten wir sowohl Ihre aktuelle Lebenssituation als auch relevante Erfahrungen aus Ihrer persönlichen Biografie. Gemeinsam entwickeln wir ein individuelles Erklärungsmodell: Welche Faktoren haben zur Entstehung der Beschwerden beigetragen? Welche Situationen lösen sie heute aus? Welche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen greifen ineinander? Und wodurch bleiben Schwierigkeiten möglicherweise bestehen? Aus diesem Verständnis werden anschließend konkrete Therapieziele und Veränderungsschritte abgeleitet. Verhaltenstherapie ist deshalb meist eine aktive Form der Psychotherapie. Therapeutische Veränderung entsteht damit häufig aus einer Kombination von Verstehen, Erproben und neuer Erfahrung.
Die kognitive Verhaltenstherapie wurde über mehrere Jahrzehnte intensiv wissenschaftlich untersucht und kontinuierlich weiterentwickelt. Für zahlreiche psychische Erkrankungen liegen umfangreiche Studien zur Wirksamkeit vor.
Sie zählt deshalb bei vielen Störungsbildern zu den empfohlenen Behandlungsverfahren, beispielsweise bei:
Depressionen
Angst- und Panikstörungen
sozialen Ängsten
Zwangsstörungen
posttraumatischen Belastungsstörungen
Schlafstörungen
Essstörungen
somatischen Belastungs- und Schmerzstörungen
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter
sowie verschiedenen Problemen der Emotionsregulation und zwischenmenschlichen Beziehungsgestaltung.